Der chinesische Präsident Hu Jintao forderte höchstpersönlich eine Rückbesinnung auf chinesische Werte und ein Zurückdrängen der Ideologie, die sich hinter den westlichen Kulturgütern verbirgt. Dahinter stecken handfeste wirtschaftliche und politische Gründe.

In einem Kommentar in einem Parteiblatt, aus dem die New York Times ohne genau Quellenangabe zitierte, schrieb der chinesische Präsident Hu Jintao, dass sich die westliche und chinesische Kultur in einem „eskalierenden Krieg“ befänden. Der Kommentar beruht scheinbar auf einer Rede, welche der Präsident bereits im Oktober gehalten hatte. „Wir müssen klar sehen, dass feindliche ausländische Kräfte ihre Strategie intensivieren, China zu ‚verwestlichen‘ und zu spalten. Sie fokussieren mit ihrer Langzeitinfiltrierung auf das ideologische und kulturelle Feld“, schrieb Hu demnach in dem Kommentar weiter. Er versprach „entschiedene Maßnahmen“ zur Abwehr.

Was zunächst wie pathologischer Verfolgungswahn aussieht, hat indes eine Reihe von handfesten Gründen. Da ist zunächst der wirtschaftliche Aspekt. China versucht seit Jahren seine eigene Kulturgüterindustrie zu fördern und zu schützen. Dies ist dem Land zum Teil auch gelungen. Nebst einer Reihe von zeitgenössischen Künstlern, die auf dem Kunsthandel nach wie vor hohe Preise erzielen, hat China mit Zhang Yimou und Chen Kaige Regisseure hervorgebracht, die auch auf dem internationalen Parkett erfolgreich sind. Die großen Erfolge können jedoch trotzdem nur ausländische Blockbuster wie Avatar feiern. So spielte dieser Streifen alleine laut Medienberichten in China im Jahre 2010 nicht weniger als 204 Millionen Dollar ein, was etwa ein Siebtel der Gesamteinnahmen der chinesischen Kinos von 1,47 Milliarden Dollar sind. Ein beträchtlicher Teil der chinesischen Produktionen leiden an einem Mangel an Kreativität. Wir berichteten hier etwa über den Kung-Fu-Hasen – einer Kopie des Kung-Fu-Pandas.

Die Äußerungen sind allerdings auch vor Hintergrund zu sehen, dass China einen Schiedsspruch vor der Welthandelsorganisation WTO verloren hat, wonach China den Import von ausländischen Kulturgütern nicht mehr beschränken darf. Derzeit erlauben die zuständigen Behörden nur, dass etwa 20 Filme (meistens Hollywood-Blockbuster) ins Land kommen. Auch die Musikindustrie unterliegt starken Restriktionen. So müssen die Vertreiber von ausländischer Pop-Musik zuerst eine Übersetzung der Liedtexte anfertigen und diese der Zensurbehörde zur Genehmigung vorlegen. Für Buchverlage gilt das gleiche.

Zum zweiten transportieren westliche Kulturgüter tatsächlich freiheitliche Gedanken, was der chinesischen Führung ziemlich sichtbar Sorge bereitet. So hatten laut Medienberichten viele Chinesen den Film Avatar als ein Sinnbild für die Zwangsräumungen gesehen. Doch gerade im Jahr des Machtwechsels stellen solche freiheitlichen Gedanken eine besonders große Gefahr für die Führung dar. Vor diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, dass die chinesische Führung auf Anfang Januar einen großen Teil der Unterhaltungssendungen aus dem Programm kippen und zumindest teilweise mit Nachrichtenprogrammen ersetzen ließ.

Wie sehr solche Schritte allerdings der chinesischen Kulturindustrie helfen, ist fraglich. Denn auch diese leidet unter zahlreichen Restriktionen. Erst gerade kürzlich hat der Staatsrat einen Gesetzesentwurf vorgestellt, wonach zahlreiche Filme indexiert werden sollen, wenn sie den „religiösen Fanatismus“ schüren oder die „soziale Stabilität“ gefährden. Für kritische Regisseure stellt es somit ein beträchtliches Risiko dar, Filme mit brisanten Themen zu verwirklichen.

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