Rundfunkanstalten in Guangdong sollen bald kein Kantonesisch mehr verwenden
Die lokale Sprache der südchinesischen Provinz Guangdong soll bald weitgehend aus dem Radio und Fernsehen verbannt werden. Dies sieht zumindest ein neuer Erlass der Provinzregierung vor. Bereits vor einem Jahr hatte ein ähnlicher Vorschlag Proteste der Bevölkerung ausgelöst.
China ist nicht gerade für seine Sensibilität bei Fragen der Bevölkerungsminderheiten bekannt. Diesmal trifft es eine der größten Gruppen: Die Kantonesisch sprechende Mehrheit der südchinesischen Provinz Guangdong, die gegenüber der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong liegt. Ab kommendem März sollen die Rundfunkanstalten der Provinz hauptsächlich Mandarin verwenden, also die im ganzen Land gesprochene Hochsprache, hieß es in einem Erlass vom vergangenen Freitag. Kantonesischsprachige Beiträge dürfen demnach nur noch mit einer vorherigen Genehmigung der Regierung ausgestrahlt werden.
Die staatliche Zeitung Global Times nimmt dazu einen bemerkenswert kritischen Standpunkt ein: „Viele ältere Menschen verstehen gar kein Hochchinesisch“, wird eine Journalistin eines Fernsehsenders in Guangzhou zitiert. Auch wenn einige die Untertitel im Fernsehen lesen können, sei das Verständnis für sie noch immer erschwert. Auch eine anderer Mitarbeiter eines lokalen Fernsehsenders äußert sich kritisch zur Regel: „Die Nutzung von unterschiedlichen Dialekten hat den Sendern geholfen, sich den regionalen Lebensstilen anzunähern“, erklärte er.
Ob es allerdings ganz so einfach sein wird, diese neue Regel umzusetzen, ist indes fraglich. Bereits im August des vergangenen Jahres hatte ein lokaler politischer Beirat vorgeschlagen, dass Guangzhou TV mehrere seiner Nachrichtensendungen in Mandarin ausstrahlt oder einen Sendekanal in Hochchinesisch einrichtet, wie Xinhua berichtete. Das führte zu Befürchtungen, Kantonesisch könne wegen der Förderung von Mandarin abgeschafft werden, was mehrere Demonstrationen auslöste. Die Stadtregierung von Guangzhou hatte daraufhin dementiert, dass die lokale Behörden Kantonesisch abschaffen wollen.
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