Immer wieder werden verbotene Bücher an der Grenze zu China konfisziert und keiner weiss genau warum. Nun hat eine chinesische Gebrauchtbücherseite eine Liste veröffentlicht, auf der zumindest grob steht, was problematisch sein könnte.

Es ist kein Geheimnis, dass auch Bücher in China zensiert werden. Unter Touristen und in Reiseforen werden immer wieder die Geschichten kolportier, wonach China-Reiseführern des Verlags Lonely Planet an der Grenze konfisziert wurden. Wieso genau, das weiß keiner. Und die Behörden geben dazu auch keine Auskunft. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Zensoren vor allem zwei Dinge missbilligen: Taiwan, das Peking als abtrünnige Provinz betrachtet, wird in der Übersichtskarte als eigenständiges Land eingezeichnet, und in der Beschreibung vom Platz des Himmlischen Friedens heißt es in einem Anflug von Humor: „Es ist verboten den Platz mit dem Fahrrad zu überqueren. Aber Panzer sind scheinbar okay.“

Touristen sind nicht die einzigen, welche die Zensurvorschriften nicht durchschauen. Als der chinesischen Geschichtsprofessor Feng Chongyi vor rund einem Jahr von Hongkong nach Festlandchina zurückkehrte, hatte er eine Reihe von Büchern in seinem Gepäck. Sieben davon schienen den Grenzbeamten nicht zu gefallen und wurden prompt konfisziert. Die Bücher waren nach seinen eigenen Angaben alle von Autoren der Volksrepublik verfasst worden und hätten nicht gegen irgendwelche rechtlichen Bestimmungen verstoßen. Feng entschloss sich daraufhin, das Zollamt zu verklagen. Seine Argument: Die Konfiskation auf Grundlage einer geheimen Liste widerspreche dem chinesischen Grundrecht. Die Behörden hätten damit die Grenzen ihrer Autorität überschritten. Der mittlere Volksgerichtshof von Guangzhou, der die Klage im August 2009 akzeptiert hatte, wies sie im Dezember letzten Jahres zurück.

Damit wurde die Praxis einer geheimen Zensur nicht nur verstärkt. In einem Interview der Volkszeitung sagte ein Pressesprecher des Zolls: „Viele Leute versuchen auf dem benachbarten Hongkong verbotene Bücher mitzubringen. Sie sollten besser aufpassen, denn manche Bücher dürfen auf dem Festland nicht verbreitet werden.“

Doch was konkret verboten ist, zeigt ein Blick auf eine Webseite, auf der jeder seine gebrauchten Bücher zum Verkauf anbieten kann. Auf der 2002 gegründeten Webseite gibt es aber nicht nur antiquarische Bücher, sondern auch Fotokopien von antiken Texten, die nicht mehr im Verkauf sind. Vergangene Woche veröffentlichte die Webseite nun eine Mitteilung, in der sie die Verkäufer an die Zensurvorschriften erinnerte. Ohne konkrete Titel zu nennen, bietet sie doch einige Hinweise darauf, welche Bücher konkret mit der Zensur in Konflikt geraten können. Auf dem englischsprachigen Medienblog Danwei.org ist diese Liste vollständig übersetzt worden.

Betroffen sind zwei Kategorien: Geheimnisverrat und verbotene politische Ansichten. So können Nutzer keine Bücher aus der Zeit „nach der Befreiung“ verkaufen, auf deren Umschlag „geheim“ und ähnliches steht, in denen es um militärische Fragen geht und interne Publikationen. Weiter dürfen Partei und Staatsführer nicht beleidigt werden oder sich auf die ethnische Zusammenhalt auswirken könnten. Dazu kommen noch unterschiedliche religiöse Bücher (Falun Gong), Pornographie und Glückspiel, sowie Bücher, die gegen das Urheberrecht verstoßen.

Doch damit ist das Problem nicht gelöst. Die Nutzer wissen noch immer nicht, was sie verkaufen dürfen oder nicht. Laut den Kommentaren, die allerdings gefiltert sein könnten.

Quelle:

http://www.danwei.org/media_regulation/self-censoring_the_used_book_m.php

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