Anno 2008 waren es die Tibeter, ein Jahr darauf die Uiguren und nun die Mongolen, die in China demonstrieren. Bisher hat die chinesische Informationspolitik bei Massenprosten dem internationalen Ansehen Chinas eher geschadet. Nun wird neu betont, dass die Proteste doch auch berechtigt sind. Ist damit ein Wandel in der chinesischen Informationspolitik eingetreten?

In einem Meinungsartikel schrieb die Global Times vorgestern, dass die Proteste in der Inneren Mongolei “in einigen Berichten” fälschlicherweise als ein ethnischer Konflikt zwischen Han-Chinesen und ethnischen Mongolen dargestellt worden sei. Auch wenn es nicht weiter erläutert wird, sind damit natürlich die westlichen Medien gemeint, welche sich aus  offizieller chinesischer Sicht durch ihre “Vorurteile gegen China” immer wieder disqualifizieren.Soweit also noch nichts Überraschendes.

Doch liest man den Beitrag weiter, könnte man glauben, dass China endlich eine neue Informationstaktik gewählt hat. „Manche Forderungen sind vernünftig und sollten von der lokalen Regierung zur Kenntnis genommen werden“, heißt es im Artikel. Der Global Times sind dabei vor allem zwei Dinge wichtig: Es handele sich keineswegs um politisch motivierte Demonstrationen, denn schliesslich ist die Innere Mongolei in China ein “Modellgebiet für das friedliche Zusammenleben von unterschiedlichen ethnischen Gruppen”. Zweitens habe es keine Gewalt gegeben. Zumindest letzteres scheint bei zwei gemeldeten Todesopfern nicht ganz richtig zu sein.

Zum Hintergrund: Die Proteste waren ausgebrochen, nachdem ein Han-Chinese einen mongolischen Hirten überfahren hatte.

Zum Vorwurf der Verschleierung schreibt die Global Times, dass die chinesischen Medien tatsächlich die Proteste kaum gemeldet haben. Dies sei jedoch geschehen, weil die lokale Regierung versuchte, Ordnung und Stabilität zu wahren. Ein solches Anliegen sei zwar verständlich, doch sei es im Zeitalter des Internets kaum noch möglich, derartige Informationen zu verbergen. Kurz nach Ausbruch der Proteste verbreiteten sich die Informationen übers Netz. Oft wurden sie zuerst von ausländischen Medien gemeldet. Tatsächlich zeigt sich jedoch, dass sich ausser dem oben zitierten Beitrag in der chinesischen Auslandspresse kaum ein Beitrag zum Thema findet. Das Parteiblatt Peoples Daily veröffentlichte vor drei Tagen einen Artikel zum Thema, ohne die Proteste auch nur mit einem Wort zu erwähnen – und dies obwohl die Proteste gut einer Woche in Gang waren. Auch in einem Beitrag der China Daily von gestern wurde die Proteste mit keinem Wort erwähnt.

Bei genauem Hinsehen erweist sich dann auch der Global Times Beitrag als eine Form von Heuchelei. Gibt man derzeit in China das Wort “Inner Mongolia” in eine Suchmaschine ein, bricht die Verbindung unverzüglich ab. Westliche Medien berichten davon, dass Journalisten keinen Zugang mehr nach Xilinhot haben. Die Universitäten in der “Autonomen Region” sollen gesperrt worden sein. Seit sich die chinesische Regierung vor einer Jasmin-Revolution und einer Zuspitzung von sozialen Konflikten fürchtet, werden das Internet und die Medien sehr viel stärker kontrolliert.

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