Kampf der Kulturen: chinesischer Präsident will westliche Kulturgüter zurückdrängen

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Der chinesische Präsident Hu Jintao forderte höchstpersönlich eine Rückbesinnung auf chinesische Werte und ein Zurückdrängen der Ideologie, die sich hinter den westlichen Kulturgütern verbirgt. Dahinter stecken handfeste wirtschaftliche und politische Gründe.

In einem Kommentar in einem Parteiblatt, aus dem die New York Times ohne genau Quellenangabe zitierte, schrieb der chinesische Präsident Hu Jintao, dass sich die westliche und chinesische Kultur in einem „eskalierenden Krieg“ befänden. Der Kommentar beruht scheinbar auf einer Rede, welche der Präsident bereits im Oktober gehalten hatte. „Wir müssen klar sehen, dass feindliche ausländische Kräfte ihre Strategie intensivieren, China zu ‚verwestlichen‘ und zu spalten. Sie fokussieren mit ihrer Langzeitinfiltrierung auf das ideologische und kulturelle Feld“, schrieb Hu demnach in dem Kommentar weiter. Er versprach „entschiedene Maßnahmen“ zur Abwehr.

Was zunächst wie pathologischer Verfolgungswahn aussieht, hat indes eine Reihe von handfesten Gründen. Da ist zunächst der wirtschaftliche Aspekt. China versucht seit Jahren seine eigene Kulturgüterindustrie zu fördern und zu schützen. Dies ist dem Land zum Teil auch gelungen. Nebst einer Reihe von zeitgenössischen Künstlern, die auf dem Kunsthandel nach wie vor hohe Preise erzielen, hat China mit Zhang Yimou und Chen Kaige Regisseure hervorgebracht, die auch auf dem internationalen Parkett erfolgreich sind. Die großen Erfolge können jedoch trotzdem nur ausländische Blockbuster wie Avatar feiern. So spielte dieser Streifen alleine laut Medienberichten in China im Jahre 2010 nicht weniger als 204 Millionen Dollar ein, was etwa ein Siebtel der Gesamteinnahmen der chinesischen Kinos von 1,47 Milliarden Dollar sind. Ein beträchtlicher Teil der chinesischen Produktionen leiden an einem Mangel an Kreativität. Wir berichteten hier etwa über den Kung-Fu-Hasen – einer Kopie des Kung-Fu-Pandas.

Die Äußerungen sind allerdings auch vor Hintergrund zu sehen, dass China einen Schiedsspruch vor der Welthandelsorganisation WTO verloren hat, wonach China den Import von ausländischen Kulturgütern nicht mehr beschränken darf. Derzeit erlauben die zuständigen Behörden nur, dass etwa 20 Filme (meistens Hollywood-Blockbuster) ins Land kommen. Auch die Musikindustrie unterliegt starken Restriktionen. So müssen die Vertreiber von ausländischer Pop-Musik zuerst eine Übersetzung der Liedtexte anfertigen und diese der Zensurbehörde zur Genehmigung vorlegen. Für Buchverlage gilt das gleiche.

Zum zweiten transportieren westliche Kulturgüter tatsächlich freiheitliche Gedanken, was der chinesischen Führung ziemlich sichtbar Sorge bereitet. So hatten laut Medienberichten viele Chinesen den Film Avatar als ein Sinnbild für die Zwangsräumungen gesehen. Doch gerade im Jahr des Machtwechsels stellen solche freiheitlichen Gedanken eine besonders große Gefahr für die Führung dar. Vor diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, dass die chinesische Führung auf Anfang Januar einen großen Teil der Unterhaltungssendungen aus dem Programm kippen und zumindest teilweise mit Nachrichtenprogrammen ersetzen ließ.

Wie sehr solche Schritte allerdings der chinesischen Kulturindustrie helfen, ist fraglich. Denn auch diese leidet unter zahlreichen Restriktionen. Erst gerade kürzlich hat der Staatsrat einen Gesetzesentwurf vorgestellt, wonach zahlreiche Filme indexiert werden sollen, wenn sie den „religiösen Fanatismus“ schüren oder die „soziale Stabilität“ gefährden. Für kritische Regisseure stellt es somit ein beträchtliches Risiko dar, Filme mit brisanten Themen zu verwirklichen.

Staatliches Webportal zu Tibet ist nun auch in Deutsch online

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Seit heute ist die Landschaft der chinesischen Propagandamedien wieder etwas reicher: Die staatliche Seite tibet.cn ist nun auch in deutscher Sprache online. Unklar ist indes, wer genau die Seite betreibt.

Chinesische Staatsmedien sind generell darum bemüht, zu verschleiern, wer eine Seite betreibt. Was für die grossen Zeitungen, Radio- und Fernsehsender gilt, ist für eine kleine Online-Zeitung wie german.tibet.cn natürlich auch gültig. Im Impressum der englischsprachigen Seite heisst es darum auch einfach: ” a key national-level media website dedicated to providing updated news stories on China’s Tibet Autonomous Region and other Tibetan inhabited areas in Chinese, English and Tibetan to netizens home and abroad” In der deutschen Version ist – nicht gerade bescheiden für eine junge Seite, die weniger durch einen interessanten Inhalte als durch kleine sprachliche Fehler hervorsticht – von einem “maßgebenden chinesischen Nachrichtenportal über Tibet” die Rede. Die Seite verfügt derzeit über die Themenbereiche Aktuell, Reisen, Wissen, Leben und Kultur.

In einem Interview sagte die Zuständige für die deutschsprachige Webseite offenbar: “Leser aus deutschsprachigen Ländern verfolgen die Tibet betreffenden Themen mit großer Aufmerksamkeit. Aber in China gibt es ganz wenige offizielle Webseiten über Tibet, und viele westliche Webseiten berichten nicht umfassend genug oder sogar mit Vorurteilen. Deswegen halten wir es für nötig und dringend, solch ein Nachrichtenportal zu starten, damit die deutschsprachige Leserschaft Tibet so erleben kann, wie es wirklich ist.” in der Medienschlacht um die Deutungshoheit, wie Tibet “wirklich” ist, hat sich damit also erklärtermassen eine neue Phalanx gefunden.

Einblicke in das chinesische Staatsfernsehen

Die deutsche Fernsehjournalistin Kirsten Rulf hat anderthalb Monate lang im Rahmen eines Journalistenaustausches beim chinesischen Staatsfernsehen gearbeitet. Der Frankfurter Rundschau berichtet sie, was sie dort erlebt hat.

Eigentlich ist das Ziel der Robert-Bosch-Stiftung, das Verständnis zwischen deutschen und chinesischen Journalisten zu verstärken. Um dies zu erreichen, kann jedes Jahr eine kleine Zahl von Medienschaffenden im jeweils anderen Land für eine kurze Periode tätig sein. Die normalerweise für den WDR tätige Fernsehjournalisten Kirsten Rulf nahm an einem solchen Programm teil und berichtet anschliessend in der Frankfurter Rundschau, wie sie die Zensur erlebt hat, wie die Themen ihrer wöchentlichen Politiksendung durch die Außenpolitik geprägt waren und wie sie vor allem an Anfang auf der Redaktion sozial isoliert wurde.

Rundfunkanstalten in Guangdong sollen bald kein Kantonesisch mehr verwenden

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Die lokale Sprache der südchinesischen Provinz Guangdong soll bald weitgehend aus dem Radio und Fernsehen verbannt werden. Dies sieht zumindest ein neuer Erlass der Provinzregierung vor. Bereits vor einem Jahr hatte ein ähnlicher Vorschlag Proteste der Bevölkerung ausgelöst.

China ist nicht gerade für seine Sensibilität bei Fragen der Bevölkerungsminderheiten bekannt. Diesmal trifft es eine der größten Gruppen: Die Kantonesisch sprechende Mehrheit der südchinesischen Provinz Guangdong, die gegenüber der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong liegt. Ab kommendem März sollen die Rundfunkanstalten der Provinz hauptsächlich Mandarin verwenden, also die im ganzen Land gesprochene Hochsprache, hieß es in einem Erlass vom vergangenen Freitag. Kantonesischsprachige Beiträge dürfen demnach nur noch mit einer vorherigen Genehmigung der Regierung ausgestrahlt werden.

Die staatliche Zeitung Global Times nimmt dazu einen bemerkenswert kritischen Standpunkt ein: „Viele ältere Menschen verstehen gar kein Hochchinesisch“, wird eine Journalistin eines Fernsehsenders in Guangzhou zitiert. Auch wenn einige die Untertitel im Fernsehen lesen können, sei das Verständnis für sie noch immer erschwert. Auch eine anderer Mitarbeiter eines lokalen Fernsehsenders äußert sich kritisch zur Regel: „Die Nutzung von unterschiedlichen Dialekten hat den Sendern geholfen, sich den regionalen Lebensstilen anzunähern“, erklärte er.

Ob es allerdings ganz so einfach sein wird, diese neue Regel umzusetzen, ist indes fraglich. Bereits im August des vergangenen Jahres hatte ein lokaler politischer Beirat vorgeschlagen, dass Guangzhou TV mehrere seiner Nachrichtensendungen in Mandarin ausstrahlt oder einen Sendekanal in Hochchinesisch einrichtet, wie Xinhua berichtete. Das führte zu Befürchtungen, Kantonesisch könne wegen der Förderung von Mandarin abgeschafft werden, was mehrere Demonstrationen auslöste. Die Stadtregierung von Guangzhou hatte daraufhin dementiert, dass die lokale Behörden Kantonesisch abschaffen wollen.

Weibo will gläserne Blogger

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Das chinesische Äquivalent zu Twitter will, dass sich seine Nutzer künftig ausweisen, bevor sie einen Account aufmachen. Noch ist diese neue Regel allerdings freiwillig.

Die größte chinesische Blogger-Plattform Weibo hat vor ein paar Tagen weitergehende Zensurmaßnahmen angekündigt, wie ein staatliches, chinesisches Nachrichtenportal meldete. So sollen künftig Nutzer, die bei Weibo.com ein Konto eröffnen, ihren wahren Namen, die Nummer ihres Personalausweises und die Handynummer angeben. Die Daten werden anschließend von der Polizei auf ihre Richtigkeit überprüft. Derzeit beruht das System noch auf freiwilliger Basis. Wer seine wahre Identität bekannt gibt, bekommt bei Weibo einen Ehrenstatus. Unklar ist indes, ob mit diesem Schritt nicht viel eher die Akzeptanz eines solches Systems vor einer vollständigen Einführung überprüft werden soll.

In dem Beitrag werden der Kampf gegen „falsche Online-Gerüchte“ und die „Verwendung gefälschter Identitäten“ als Grund für die neue Regelung genannt. Tatsächlich hilft das System dem sogenannten „Gerüchte-Kontrollteam“, unliebsame Inhalte, vor allem auch politischer Natur, zu löschen. Bereits jetzt beschäftigt Weibo ein Team, das die neuen Beiträge rund um die Uhr überwacht und allenfalls löscht.

Weibo hat einen schweren Mittelweg zu gehen. Auf der einen Seite muss es den Zensurvorschriften der Regierung Folge leisten, andererseits aber auch den Bedürfnissen seiner Kunden Rechnung tragen. So ist laut einem Bericht von Shanghai Daily gerade in diesen Tagen einer Frau Recht gegeben worden, die vor Gericht einen Schadenersatz dafür einforderte, dass ihr Account unrechtmäßig gelöscht worden ist.

Sina Weibo, der populärste Microblog-Dienst in China gemessen an der Nutzerzahl, hat mittlerweile über 200 Millionen Nutzer.

China plant in seinen Fernsehserien ein Verbot von Werbeunterbrechungen

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In China sollen künftig Fernsehserien nicht mehr mit Werbeblöcken unterbrochen werden. Laut der Regulierungsbehörde sei die Integrität und Kohärenz der Fernsehsendungen für die Zuschauer von grossem Interesse.

Werbeunterbrechungen sind bei Fernsehzuschauern zumeist alles andere als beliebt. Chinesische Fernsehkonsumenten können jedoch bald aufatmen. Wie die chinesische Webseite china.org gestern mitteilte, hat das Staatliche Amt für Rundfunk, Film und Fernsehen (SARFT) ein Verbot von Werbeunterbrechungen während Fernsehserien angeordnet, um “das kulturelle Angebot für die Öffentlichkeit zu verbessern”. Die neue Regel soll bereits am 1. Januar in Kraft treten.

Das Werbeverbot könne die Integrität und Kohärenz der Fernsehsendungen gewährleisten und sei im Interesse der Öffentlichkeit, wird ein Sprecher des Amts zitiert. Es trage dazu bei, dass die Fernsehsender wieder in erster Linie an die Zuschauer denken. Die Fernsehkonsumten wurden aufgefordert, Verstösse zu melden.

Die chinesischen Fernsehsender erleben derzeit eine von oben angeordnete Transformation, bei der sie zunehmend finanziell auf eigenen Beinen stehen müssen. Auf welche Weise die Rundfunkanstalten die auf diese Weise verloren gegangenen Einnahmen ersetzen können, wurde in dem Artikel nicht erwähnt.

Studieren in China

Das Land der Mitte. Geheimnisvoll anders. Früher eine exotische Reisedestination ist China heute ein Wirtschaftsland, das vor allem im Bereich Export eine nicht mehr wegzudenkende Position in der Weltwirtschaft einnimmt.

Nicht nur, aber besonders auch aufgrund des wirtschaftlichen Aufstiegs der Volksrepublik China, schaut der Westen nun auf den Osten, ist bemüht Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Neben der sprachlichen Barriere (Chinesisch zählt ja zu den für Europäer am schwierigsten zu erlernenden Fremdsprachen) ist auch die Kultur eine ganz andere. Andere Länder, haben tatsächlich andere Sitten und wenn man mit diesen nicht vertraut ist, kann das auch geschäftlich mit Nachteilen verbunden sein. Um die chinesische Sprache, aber auch Kultur und Lebensweise besser kennen zu lernen, begeben sich immer mehr Studierende ins Ausland. Ein längerer Aufenthalt oder sogar ein ganzes Studium in China qualifizieren die Studierenden dazu, später Schlüsselrollen in Konzernen einzunehmen, kennen sie doch beide Seiten. Die Zahl der ausländischen Studierenden steigt in China jährlich an. An mehr als 350 Bildungseinrichtungen begrüßt man mittlerweile knapp 80 000 Studenten aus dem Ausland. Um es den Studierenden einfacher zu machen sich an chinesischen Hochschulen zu Recht zu finden, werden mittlerweile auch englischsprachige Studiengänge ausgebaut bzw. neu eingeführt.

Wider Erwarten ist das chinesische System dem deutschen gar nicht so unähnlich. Das Studienjahr in China gliedert sich ebenso in zwei Semester auf und im Sommer gibt es zwei Monate lang Ferien. Während sich einige für einen kurzzeitigen Aufenthalt von ein oder zwei Semestern entscheiden, das mit einem Studium in Deutschland verbunden ist, trauen sich manche sogar eine Vollzeitstudium in China zu beginnen. Nur durch einen längeren Aufenthalt können Studierende voll und ganz in China und seine Kultur eintauchen, wichtige Eindrücke und Erfahrungen kann man aber auch in ein oder zwei Semestern sammeln. Eine dritte Möglichkeit bietet das Aufbaustudium, bei dem Studierende nach einem bereits erworbenen Hochschulabschluss ins Ausland begeben.

Wer sich noch nicht so ganz sicher ist, ob China das Richtige für sie/ihn ist, der kann sich auch im Zuge einer Sprachreise einen Einblick in die fremde Kultur und Lebensweise verschaffen. Renommierte Sprachreiseanbieter wie die Schweizer ESL bieten neben Sprachreisen England und anderen Destinationen in Europa auch Sprachreisen Neuseeland, China, Australien oder Südamerika an. Achtung: Wer nach China einreisen will, braucht ein Visum. Wer ein Studium an einer chinesischen Hochschule absolvieren möchte, der muss ein Studentenvisum vorweisen können. Beantragt werden muss dieses bei der chinesischen Botschaft im Heimatland. Neben einem Passfoto und dem Reisepass sind bei der Antragsstellung folgende Dinge mitzubringen:

  • ausgefülltes Visum-Antragsformular
  • Kopie des Gesundheitszeugnisses
  • Zulassungsbescheid der Hochschule in China
  • Einladungsformular der Hochschule

Auch beim Anmieten einer eigenen Wohnung gilt es zu berücksichtigen, dass man sich innerhalb von 24 Stunden nach Abschluss des Mietvertrags bei der zuständigen Polizeibehörde melden und registrieren muss. Für die Registrierung entstehen keine Extrakosten. Wer sich aber nicht an die zeitliche Frist hält, der muss ca. 50 Euro Strafe zahlen.

Big Brother 2.0: Peking will in allen Einkaufszentrum Gesichtserkennung einführen

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Während in Europa bereits Kundenkarten Grund zu Bedenken hinsichtlich des Persönlichkeitsschutzes geben, will China nun einen Schritt weiter gehen und in allen Einkaufszentren Kameras installieren lassen, die eine automatische Gesichtserkennung erlauben. Wie in solchen Fällen üblich, wird auch hier mit dem Zauberwort “Sicherheit” argumentiert.

Dies hätte wohl nicht einmal George Orwell zu träumen gewagt: Laut einer neuen Direktive des Amts für Öffentliche Sicherheit der Stadt Beijing sollen laut einem Bericht von China Daily alle Einzelhandelszentren verpflichtet werden, ihre bisherigen Kamerasysteme gegen neue Hochleistungskamaras auszutauschen, welche “die Gesichtszüge der Kunden detailliert aufnehmen und ihr Verhalten an Kassen, Ausgängen, in Lagerräumen und Aufzügen genauestens beobachten können”. Das angebliche Ziel der neuen Überwachungsoffensive: Der Schutz der Bevölkerung vor “all denen, die Schaden anrichten, Waren stehlen oder gar Lebensmittel vergiften”.

Folgt man dem Artikel, scheint sich die Bevölkerung zumindest teilweise über die zunehmende Überwachung zu freuen. Eine Frau wird mit den Worten zitiert: „Je schärfer die Bilder der Kameras, desto sicherer wird unsere Shopping-Umgebung.” Eine andere Kundin sagte jedoch, dass sie sich nicht wohlfühle beim Gedanken, überwacht zu werden.

Das Verfahren scheint indes nicht neu zu sein. Bereits vor fünf Jahren hat die chinesische Firma Yinchen die Gesichtserkennung via Überwachungskameras angepriesen. Wie das Verfahren funktioniert erklärt China Radio International: „Die versteckte Überwachung ist hier die größte Besonderheit des Gesichtserkennungssystems. Das ganze Verfahren läuft ab, ohne dass man darauf achtet. Mögliche Einsatzorte sind hier zum Beispiel Fußballstadien, Flughäfen, Grenzübergänge.” Für Polizeidienste sei das System ein wichtiges Instrument zur modernen Verbrechensbekämpfung und Strafverfolgung. “Wenn man Videoüberwachungssysteme an Bahnhöfen, Häfen, Airports oder Staatsgrenzen installiert, können die über Kamera eingegangenen Gesichtsinformationen mit den in einer Datenbank gespeicherten Daten des Gesichtserkennungssystems abgeglichen werden. Im Falle einer Übereinstimmung wird das System automatisch der überwachenden Stelle das signalisieren.” Derzeit arbeitete Yinchen bereits mit der Shanghaier Kripo und dem Polizeiamt der südwestchinesischen Stadt Chengdu zusammen.“

Divergierende Berichterstattung zum Todeszug von Wenzhou

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Keiner weiss, was tatsächlich beim Eisenbahnzusammenstoss auf einer Brücke bei Wenzhou geschehen ist. Die chinesischen Behörden bemühten sich derweil, die Wahrheit (und vielleicht weitere Leichen) zu verbuddeln und über die Medien berührene Geschichten zu verbreiten.

Die offizielle Version ist schnell erzählt: Ein Blitz bringt am 23. Juli auf einer Brücke in der Nähe von Wenzhou (Provinz Zhejiang) einen neuen Hochgeschwindigkeitszug zum Stillstand, wie dies in den drei Wochen seit der Eröffnung der neuen Strecke zwischen Peking und Shanghai immer wieder geschehen ist. Der nach zehn Minuten folgende Zug fährt auf. Mehrere Wagen fallen von der Brücke je nach Quelle zwischen 15 und 30 Meter in die Tiefe. Rund 40 Menschen kommen ums Leben.

Wichtige Fragen blieben bei dieser offiziellen Version jedoch offen. Zum Beispiel: Wieso wurde der nachfolgende Zug nicht vor dem Hindernis gewarnt. Stattdessen erscheinen in den chinesischen Medien Rührgeschichten wie die von dem jungen Mädchen, das bei dem Unfall beide Elternteile verlor und das, wie eine weitere Rührgeschichte erzählt, nur aus den Trümmern gezogen werden konnte, weil sich ein heldenhafter Retter den Vorgaben widersetze und auch noch nach Abbruch der Bergungsarbeiten weiter nach Lebenden suchte. Die Frage, wieso die Rettungsarbeiten abgebrochen wurden, obwohl sich noch ein lebendes Kind in den Trümmern befand, bleibt ungeklärt.

Dafür jedoch, dass derartige Geschichten in den Vordergrund gerückt wurden, gibt es eine Erklärung: Laut einer US-Zeitung sind bei Weibo (dem chinesischen Twitter) die Vorgaben zur Berichterstattung über das Unglück aufgetaucht: Bringt Rührgeschichten und keine kritischen Fragen. So weit so gut – zumal dies das normale Vorgehen bei Katastrophen in China ist.

Dies erklärt auch, wieso von einer anfänglich kritischen Berichterstattung plötzlich keine Spur mehr zu sehen ist. So berichtete etwa das Propagandaorgan china.org.cn anfänglich noch davon, dass die Behörden versuchen würden, Beweisstücke zu vernichten. Bemerkenswerterweise wird dabei auch auf Gerüchte verwiesen, wonach die tatsächliche Zahl der Todesopfer sehr viel höher sein könnte. Bei einem Text mit dem Titel “Top 10 der weltweiten Zugunglücke im 21. Jahrhundert” bei der gleichen Webseite wiederum stellt sich dann auch die Frage, ob hier von China abgelenkt werden soll, oder ob bei der “Bestenliste” einfach der gute Ton noch stärker entgleist ist, als die betroffenen Eisenbahnen.

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Interessanterweise ist die Zahl der Todesopfer weder bei westlichen noch chinesischen Medien je wieder thematisiert worden. Dabei drängt sich das eigentlich auf, denn wenn zwei volle Züge aufeinanderprallen und vier Wagons mit jeweils rund hundert Passagieren 30 Meter frei in die Tiefe stürzen, dann ist es mehr als überraschend, wenn es “nur” knapp 40 Todesopfer gibt. Insbesondere dann, wenn laut Gesetz ab einer Zahl von 50 Opfern der oberste Eisenbahnminister den Hut nehmen müsste.

Im Anschluss ein Interview, das chinamedienblog.de mit einer jungen Frau führen, die selber im Zug sass und versucht hat, anderen Opfern zu retten.

MB: Glauben Sie, dass die offiziellen Opferzahlen stimmen?

F: Die sind definitiv falsch. Ich weiss nicht, wieviele Menschen starben. Aber ich weiss, dass im Wagen 16 des Zugs D3115 (Anmerkung der Redation: Der Wagen aus dem das erwähnte Bagby gerettet wurde) nur fünf Menschen überlebten. Das heisst, alleine dort müssten mindestens 90 Menschen getötet worden sein.

MB: Aber wo sind denn die Leichen der regarstlichen Menschen?

F: Die Behörden haben gar nicht erst versucht, die Menschen zu retten,. Sie haben sofort begonnen, die Wagen zu verscharren.

MB: Mit den Menschen drin?

F: Ja, das nehme ich an.

MB: Aber was ist mit den Angehörigen? Wieso melden diese sich nicht?

F: Ich weiss es nicht. Aber auffällig ist, dass die Entschädigungszahlungen (500.000 RMB pro Todesopfer) sehr viel höher sind als eigentlich vorgeschrieben.

Die chinesische Eisenbahn war zuletzt wegen zahlreichen Unregelmässigkeiten in den Medien. Der ehemalige Eisenbahnminister Liu Zhijun war im Februar nach einem Korruptionsskandal entlassen worden und durch Sheng Guangzu, dem ehemaligen Leiter der Zollbehörde, ersetzt worden. Sheng kündigte vor einem Monat an, dass das Eisenbahnministerium das Hochgeschwindigkeitsprogramm etwas herunterfahren wolle, nachdem es Sorgen über die Sicherheit und Beschwerden über die hohen Fahrkartenpreise gegeben hat.

WLAN: Chinesische Behörden sagen letzter Bastion des anonymen Internets den Kampf an

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Chinesische Blogger, die sich in China nicht vom Staat überwachen lassen wollten, schrieben oft in Cafés. Die letzte Bastion des einigermassen freien Internets soll nun auch fallen. Dies wollen zumindest die Behörden und erzwingen die Installation einer Spionage-Software.

Man darf sich von der wirtschaftlichen Entwicklung in China nicht täuschen lassen: Die Meinungsfreiheit wird seit Jahren bedauerlicherweise immer kleiner geschrieben. Das jüngste Beispiel ist das Vorgehen der chinesischen Behörden gegen die letzten Orte, wo man sich einigermassen unüberwacht im Internet bewegen konnte: Die WLANs in Cafes. Folgt man einem Artikel der New York Times, dann müssen in Peking sämliche Betreiber von Hotspots ab sofort unter Androhung einer Geldstrafe eine Spionage-Software installieren, die es den Behörden erlaubt, die Surfer zu identifizieren.

Nebst der offensichtlichen Problematik eines orwellschen Überwachungsstaats wirkt sich dieser Schritt auch höchst negativ auf das Geschäft vieler Cafe-Besitzer aus. Da viele Betreiber die teure Software nicht kaufen wollen, beginnen sie laut dem Artikel, das Netz zunehmend abzudrehen. Dies wiederum führt dazu, dass potentielle Kunden die Cafes gar nicht mehr erst aufsuchen.

Die chinesischen Behörden begründeten ihr Vorgehen übrigens in einem Rundschreiben mit einem angeblichen Kampf gegen “Erpressungen. Schmuggel, Glücksspiel, der Vertreitung schädlicher Informationen und der Verbreitung von Viren.” Derartige Aktivitäten würden nicht nur die Interessen des Landes verletzen,sondern auch zu wirtschaftlichen Verlusten führen. Ob allerdings die Verlus der Cafebeitzer angesichts der Kontrolwut nicht schwerer wiegen, ist eine andere Frage.re

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